Vertreter islamischen Wirtschaftens nutzen Finanzkrise aus
Geschrieben von Felix Struening am 30. Oktober 2008 | Abgelegt unter Islamic Finance, Islamic Insurance, Kommentar
Die aktuelle Wirtschaftskrise erfasste als erstes den Banken- und Finanzsektor, da dort mit ungedeckten Krediten und überzogenen Renditen gerechnet wurde. Das machen sich nun die Promoter des Islamic Banking nun zu nutzen:
Da das islamische Recht den Zins angeblich verbietet, wird in immer mehr muslimischen Ländern ohne direkte Guthaben- und Kreditzinsen gewirtschaftet. Die Verzinsung habe aber maßgeblich zum Zusammenbruch des westlichen Wirtschaftssystems beigetragen.
Doch steht die islamische Wirtschaft nun wirklich besser da, wie so gerne behauptet wird? Wird wirklich kein Zins im islamischen Finanzsystem verwendet? Und wovon lebt dann die islamische Wirtschaft? Oder wird so vorwiegend der fundamentalistische Islam verbreitet?
Was schreibt der Islam wirklich vor?
Zunächst gilt es zu fragen, was der Islam wirklich bezüglich des Handels und des Geldes vorschreibt. Als maßgeblich galt lange das Werk „Islam und Kapitalismus“ des französischen Sozialwissenschaftlers Maxime Rodinson. Es verneinte allerdings einen Einfluss des Islam auf die wirtschaftliche Entwicklung muslimischer Gesellschaften und Länder weitestgehend, was auch an der marxistischen Sichtweise des Autors liegt.
Mittlerweile ist unser Erkenntnisstand über das islamisch regulierte Wirtschaften wesentlich größer. Die Vertreter dieses Systems lesen aus den Quellen Koran und Sunna vor allem ein Verbot des Zins (arab.: riba) und die Pflicht zur Almosenabgabe (arab.: zakat). Geschäfte mit Schweinefleisch und Alkohol sind untersagt, Glückspiel und Prostitution ebenfalls. Natürlich darf auch nicht in Firmen investiert bzw. mit ihnen gehandelt werden, wenn sie eines dieser verbotenen Geschäfte betreiben.
Kritik und Versagen des Systems
Das islamische Wirtschaften hat heftige Kritik bekommen. So wird der verbotene Zins einfach indirekt berechnet. Möchte ein Muslim beispielsweise einen Kredit für einen Autokauf aufnehmen, kann er dies nicht, da die Bank Zinsen verlangen würde. Deswegen kauf stattdessen die islamische Bank das Auto und verkauft es zu einem höheren Preis in Raten an den Muslim. Der Preisunterschied stellt aber nichts anderes als Zins dar. Ebenso wurde mehrfach nachgewiesen, dass die Almosensteuer Zakat nur den ärmeren Bevölkerungsschichten abgenommen wird, da nur die Gewerbe, die es zu Zeiten des Propheten Mohammed gab, besteuert werden. Das sind aber z.B. Reisbauern, die meist unter der Armutsgrenze leben. Außerdem bleibt ein großer Teil der staatlich verwalteten Almosensteuer in der Verwaltung hängen, Korruption ist weit verbreitet. Die ausgeschütteten Gelder gehen dann vor allem religiösen Zwecken, wie Koranschulen zu.
Timur Kuran, Professor an der Universität of Southern Californa, hat in „Islam & Mammon“ oben genanntes eindrücklich nachgewiesen. Vor allem aber hat er das gesamte islamische Wirtschaften als eine Strategie des fundamentalistischen Islam bzw. Islamismus entlarvt. Für Kuran begründet Islamic Banking & Co. sich weniger auf koranische Quellen und Tradition, da diese nur im Wirtschaftssystem des 7. Jahrhunderts verständlich und sinnvoll sind. Vielmehr handelt es sich dabei um die Machtbestrebungen des Islamisten Savyid Abul-Ala Mawdudi (1903-79) im damaligen Indien (heutiges Pakistan). Durch die Entstehung der Öl-Wirtschaft und die Ölkrise Anfang der 1970er Jahre erfuhr das Konzept des islamischen Wirtschaftens einen massiven Aufschwung.
Diese Sichtweise bestätigt, dass die heutigen Vordenker einer islamisch regulierten Wirtschaft unter dem Deckmantel eines gerechten Gesellschaftssystems das islamische Recht, die Scharia, in den westlichen Staaten verbreiten wollen. Einer dieser Vertreter ist z.B. Hatem Imran mit seinem Buch „Das islamische Wirtschaftsrecht“ dem Umkreis der fundamentalistischen Muslimbruderschaft zuzuordnen ist.
Schützt Islamic Banking vor der Wirtschaftskrise?
Es ist wahr, dass die islamische Wirtschaft von der Wirtschaftskrise nicht so massiv betroffen ist. Durch die Globalisierung des Finanzmarktes musste sie aber trotzdem Verluste hinnehmen. So ließ der Saudische König beispielsweise wirtschaftlich schwachen Familien knapp fünf Milliarden Euro zukommen.
„Aufkommende Panik oder zumindest die Angst vor großen Verlusten bringt dabei vielen Arabern, aber auch Iranern und Muslimen anderswo in Erinnerung, dass manches von dem vielleicht hätte verhindert werden können, wenn man den Geboten der Religion gefolgt wäre.“ [Quelle]
Auch die „Islamische Zeitung“ nutzt die Finanzkrise um auf die angeblichen Vorteile islamischen Wirtschaftens hinzuweisen. Dabei muss man beachten, dass das Medium dem fundamentalistischen Islam in Deutschland zuzurechnen ist [Thomas Tartsch: Da‘wa und Jihad. Islamischer Fundamentalismus und Jihadismus, Bochum 2008, S. 260].
Auch der Iran lobpreist nun seine islamische Ökonomie, die der Finanzkrise standhielte. Zumindest hinsichtlich er Börsen muss man aber feststellen: „Letztendlich waren es die von den USA und dem UN-Sicherheitsrat implementierten Sanktionen, die den Iran vom internationalen Finanzmarkt abkoppelten und ihn so ironischerweise vor Schaden bewahrten.“ [Quelle]
Dieser Artikel erschien auch auf EuropeNews
Keine Kommentare »